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Lohner Zürcher

Hoch oben am Lohner thront auf einer kleinen Geländeterrasse eine einfache Bergunterkunft, welche vor genau 85 Jahren erbaut wurde: die Lohner Hütte.

Ihre Entstehungsgeschichte ist speziell und verdient erzählt zu werden. Lange Zeit war im Engstligtal der Name „Lohner Zürcher“ ein bekannter Begriff. Dieser Peter Zürcher war der eigentliche Vorreiter einer Unterkunft am Lohner. Zürcher, 1857 geboren, arbeitete als Holzhacker und Taglöhner und vermochte seine Familie kaum über Wasser zu halten. Er erwarb 1903 ein ungenutztes Gelände am Lohner, um dort Schafe und Ziegen zu halten. In fast unzugänglicher Höhe baute er unter dem „Zürchertritt“ (der Name stammt von ihm) auf dem Schafberg eine sehr einfache Behausung.

Hier wollte Zürcher mit seiner Familie von nun an den Sommer verbringen. Von der „Schrickmatte“ aus fand er durch die Felsen hinauf eine einfach begehbare Route. An zwei Stellen war das steile Felsgelände nur mit Leitern zu überwinden (Leiternweg). Im Sommer war bei Schlechtwetter Schule angesagt. So mussten Zürchers Kinder den langen, gefährlichen Weg durch die Felsen und bis zum Schulhaus Hirzboden unter die Füsse nehmen. Meist barfuss oder mit „Holztschuggen“, die Familie war sehr arm und konnte sich keine Schuhe leisten. Über vier Stunden betrug der Schulweg hin und zurück.

Die tägliche Arbeit am Lohner oben war für die ganze Familie mühsam und hart. Den ganzen Sommer über wurde Gras gemäht, Heu zusammengetragen, danach auf dem Rücken über schwindelerregende Felsbänder transportiert und zu Tristen aufgetischt. Starke Schneefälle setzten im Winter der Hütte arg zu und Anfang der Zwanzigerjahre zerstörte eine Lawine die Behausung. Zürcher baute sie an einem andern Ort wieder auf, vermeintlich sicher. Doch im Winter 1928/29 fegte eine zweite Lawine sein Sommerhaus ein weiteres Mal weg. Mittlerweile war Zürcher über 70 Jahre alt und fand die Kraft für einen erneuten Wiederaufbau nicht mehr.

In dieser Zeit begann der Tourismus in Adelboden aufzublühen, einheimische Bergführer begleiteten Gäste auf Berge und Gipfel. Der Hotelier des Regina Matthäus Zurbuchen und Baumeister Hermann Jaggi statteten 1923 Peter Zürcher am Lohner einen Besuch ab, mit der Idee eine geeignete Stelle für den Bau einer SAC-Hütte zu finden. Zürcher kannte den Lohner wie seinen Hosensack und zeigte den beiden eine besondere Stelle auf einer kleinen Terrasse über den Felsen: der Platz für die Lohner Hütte war gefunden. Zurbuchen, als Präsident der 1919 gegründeten SAC-Sektion Wildstrubel, begann zu planen, Baumeister Jaggi berechnete die Kosten, welche sich auf Fr. 18'800.—beliefen. Doch das nötige Geld konnte vorerst nicht zusammengetragen werden. Zurbuchen liess jedoch nicht locker, lancierte Zeichnungs- scheine und liess ein „Goldenes Buch“ zirkulieren, in welchem namentlich Spenderbeiträge gezeichnet werden konnten. Und siehe da: Das Geld kam zusammen, anfangs 1929 wurde der Bauvertrag unterzeichnet und mit dem Bau konnte begonnen werden. Ein Weg wurde erstellt und vom Bonderlen her eine Transportbahn eingerichtet, um das schwere Baumaterial hinauf zu transportieren. Den ganzen Sommer durch kamen die Arbeiten zügig voran und so konnte bereits am 22. September 1929 mit über 100 Personen die neue Hütte eingeweiht werden. Als erster Hüttenwart wurde Bergführer Stephan Bärtschi eingesetzt, auf ihn folgte für kurze Zeit Fritz Bärtschi. Ab 1934 hiess für 25 Jahre der Hüttenwart Jakob Zürcher, welcher nun während vieler Jahre das Geschehen und das Geschick der Hütte prägte. Als Zürcher 1959 demissionierte, übernahm Stephan Allenbach für drei Jahre das Amt. Ab 1963 hiess der Hüttenwart am Lohner oben Gottfried Brügger, der dann nach etlichen Jahren in die Lämmeren Hütte wechselte. Sein Nachfolger war noch für kurze Zeit Hans Zimmermann. Nun ist in den Sommermonaten die Hütte am Wochenende von Mitgliedern der SAC-Sektion Wildstrubel bewartet. Aber auch während der Woche ist die Hütte für Tagestouristen und auch für Übernachtungen jederzeit offen. Die einfache, aber heimelige Lohner Hütte wird so auch in Zukunft vielen Berggängern und Wanderern gemütliche und nachhaltige Stunden bescheren. Der Weg zur Lohnerhütte ist eher alpin und sollte nur von geübten und trittsicheren Berggängern begangen werden. Im untern Teil führen zwei verschiedene Wege hinauf, die sich dann für den zweiten Teil am „Zürchertritt“ wieder vereinen. Der eine Weg im untern Teil führt über die Leitern, dann bei der ehemaligen Zürcherbehausung vorbei zum Zürchertritt. Der andere vom Chrachli aus steigt durch den „Schryber schreck“ hinauf. „Schryberschreck“ darum, weil sich dort vor vielen Jahren der Gemeindeschreiber von Adelboden nicht mehr weiter getraute und umkehren musste. Eine Hütte, welche so weit abseits der Zivilisation steht, im Winter Schnee, Stürmen und Lawinen ausgesetzt ist, braucht jedes Jahr gründliche Unterhaltsarbeiten. Die Sektion Wildstrubel mit ihren freiwilligen Helfern stellt jedes Frühjahr den Hüttenweg in Stand und bessert auch den Weg zur Engstligenalp aus. Die vielen Wegbenutzer aus nah und fern wissen dies zu schätzen und danken dem SAC für seine grosse Arbeit. Die Lohnerhütte wurde einige Male renoviert und auch angebaut. So erfolgte 1971/72 eine grössere Hüttenerweiterung um 26 Schlafplätze. An der damaligen Einweihung am 24. September 1972 war nebst über 100 Personen auch eine Ländlerkapelle anzutreffen. Die Instrumente mussten hinaufgetragen werden. Am Zürchertritt, in der Kletterpassage, habe die Bassgeige von Fred Inniger ungewollt einige Töne von sich gegeben ....

  • An zwei Stellen war das steile Gelände nur mit Leitern zu überwinden
  • Der tägliche Schulweg betrug so über vier Stunden
  • Die Bassgeige habe am Zürchertritt ungewollt ein paar Töne von sich gegeben
  •  Der Weg zur Lohnerhütte ist alpin und sollte nur von geübten Berggängern begangen werden